Zur Prämienentwicklung im Kanton Basel-Stadt für das Jahr 2024

Das Gesundheitsdepartement hat die angekündigte Prämienentwicklung im Kanton Basel-Stadt für das Jahr 2024 zur Kenntnis genommen. Trotz der gesamthaft unerfreulichen Entwicklung weist der Kanton den tiefsten Prämienanstieg in der Schweiz aus: Die mittlere Prämie im Kanton steigt um 6.5% (CH 8.7%), die Standardprämie um 6.2% (CH: 7.8%). Das im Vergleich mit den vergangenen Jahren stärkere Prämienwachstum ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die prognostizierten Krankenversicherungsleistungen der baselstädtischen Versicherten im laufenden Jahr deutlich über den ursprünglichen Erwartungen liegen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat heute, 26. September 2023, die Krankenkassenprämien für das Jahr 2024 bekanntgegeben.

Der Prämienanstieg fällt in Basel-Stadt wie auch in den übrigen Kantonen markant höher aus als in den Vorjahren, ist aber mitunter der tiefste aller Kantone und liegt deutlich unter dem schweizweiten Mittelwert. Nachdem die Kosten und Prämien über die letzten zehn Jahre gesehen im Kanton Basel-Stadt in der Tendenz nur moderat gestiegen sind, werden die basel-städtischen Versicherten im nächsten Jahr nicht mehr die höchsten Prämien bezahlen müssen.

Der prognostizierte Anstieg der mittleren Prämie, welche die erwarteten Pro-Kopf-Einnahmen der Krankenversicherer abbildet, beträgt im Kanton Basel-Stadt 6.5% über alle Alterskategorien und Prämienmodelle hinweg. Dies liegt deutlich unter dem schweizweiten Durchschnitt von 8.7%. Die auch als Durchschnittsprämie bezeichnete Standardprämie für Erwachsene mit einer Franchise von 300 Franken und Unfalldeckung wird sich in Basel-Stadt um 6.2% (Schweiz: 7.8%) auf neu 668 Franken erhöhen.

Lukas Engelberger, Vorsteher des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt: «Die Prämienentwicklung folgt im Grundsatz der Kostenentwicklung und wir müssen unsere kantonalen Anstrengungen zur Eindämmung des Ausgabenwachstums weiterverfolgen. Dass wir in Basel-Stadt auf dem richtigen Weg sind, zeigt sich im schweizweit mitunter tiefsten Prämienanstieg.»

Die durchschnittliche Prämienerhöhung von 2018 - 2024 lag in BS bei 1.3% pro Jahr (CH: 2.4%), was darauf zurückzuführen ist, dass das langfristige Kostenwachstum in BS wesentlich unter dem CH-Mittel liegt: In den Jahren von 2013 bis 2022 stiegen die Bruttoleistungen der OKP pro Versicherten in BS um 16.4%, im schweizerischen Mittel um 24%. Die kantonalen Massnahmen zur Eindämmung des Kostenwachstums wie die konsequente Umsetzung der Strategie «ambulant vor stationär» (AVOS) und die gemeinsame Spitalplanung zusammen mit Baselland als Teil der gemeinsamen Gesundheitsregion (GGR) zeigen Wirkung. Die Prämien sind im Kanton Basel-Stadt aufgrund des höheren Durchschnittsalters der Bevölkerung grundsätzlich hoch und nähern sich wie die Altersstruktur nun langsam dem schweizerischen Durchschnitt an.   

Parallel zu den steigenden Prämien wurden die nationalen Reserven in den Jahren 2022 und 2023 substantiell abgebaut. Sie sind von 2022 auf 2023 um 29.3% oder rund 3.5 Mia. Franken zurückgegangen, wobei versicherungstechnische Verluste sowie Kapital- und sonstige Verluste in beinahe gleicher Höhe am Rückgang beteiligt waren. Aus Sicht des Gesundheitsdepartements ist dieser Abbau grundsätzlich unproblematisch, Reserven sollen zur Glättung von jährlichen Kostenschwankungen verwendet werden.

Allerdings liegen im Kanton Basel-Stadt die Prämien seit Jahren über den Leistungskosten der Versicherer. Aufgrund der zu hohen Prämieneinnahmen von baselstädtischen Versicherten hat der Kanton Basel-Stadt die nationalen Reserven der Versicherer über Gebühr alimentiert. Diese Prämienüberschüsse summieren sich seit 2013 auf über 100 Mio. Franken. Auch im Jahr 2022 haben die Versicherer in Basel-Stadt als einzigem Kanton einen Überschuss erzielt, während schweizweit Reserven abgebaut werden mussten. Das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt hätte deshalb eine knappere Prämienkalkulation erwartet, auch in Anbetracht der Tatsache, dass die von den Versicherern erwartete starke Leistungsentwicklung im laufenden Jahr insbesondere mit verzögerten Abrechnungen von Vorjahresleistungen zusammenhängt. Zudem hat ein verstärktes Wechselverhalten dazu geführt, dass die baselstädtischen Versicherten gesamthaft in diesem Jahr weniger Prämien bezahlen werden, als ursprünglich von den Versicherern erwartet. Somit ist auch der Anstieg der mittleren Prämie für das laufende Jahr tiefer ausgefallen, als im letzten Jahr prognostiziert (3.4% anstatt 3.9%).

Das Gesundheitsdepartement hat die Reservenentwicklung gegenüber dem BAG wiederholt moniert, so auch im Rahmen des diesjährigen Prämiengenehmigungsverfahrens. Es ist bedauerlich, dass das eidgenössische Parlament die kantonal ungleiche Alimentierung der Reserven zwar anerkennt, verschiedene Vorstösse zur kantonsgerechten Alimentierung und Verwendung der Reserven jedoch abgelehnt hat.

Damit sich die Kosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) im Kanton Basel-Stadt auch in den kommenden Jahren weiterhin dem nationalen Durchschnitt annähern, ist es wichtig, dass die kantonalen und regionalen Anstrengungen zur Eindämmung des Ausgabenwachstums weiterverfolgt werden.

Hinweise:

Die Krankenkassenprämien widerspiegeln die Kosten für Leistungen, die zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) erbracht werden. Für Erwachsene im Kanton Basel-Stadt liegt die monatliche Prämie für das Jahr 2024 bei 551 Franken (mittlere Prämie über alle Versicherungsmodelle und Franchisestufen) bzw. bei 668 Franken (Standardprämie für Erwachsene mit Unfalldeckung und 300 Franken Franchise).

Der Kanton Basel-Stadt hat ein sehr dichtes, modernes und qualitativ hochstehendes Angebot an Leistungserbringern, die zulasten der Krankenversicherungen Leistungen erbringen können. Im schweizweiten Vergleich hat Basel-Stadt pro Kopf der Bevölkerung sowohl im Spitalbereich wie auch im ambulanten Bereich die höchste Zahl an tätigen Ärzten. Diese hohe Leistungserbringerdichte ermöglicht der Bevölkerung im Krankheitsfall einen raschen und einfachen Zugang zu einer Vielzahl an Allgemeinversorgern, zu spezialisierten und hochspezialisierten Leistungen. Die hohe Leistungserbringerdichte verursacht aber auch höhere Kosten.

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