1. Tag der psychosozialen Gesundheit

Fachtagung: Auf dem Weg zu einer ganzheitlichen und koordinierten Versorgung

Eine verstärkte Sensibilisierung für psychosoziale Problemstellungen sowie die Förderung psychosozialer Gesundheit ist für alle Betroffenen sowie gesamtgesellschaftlich von besonderer Bedeutung und verlangt als Herausforderung für unsere Gesundheitsversorgung eine intensive Zusammenarbeit aller Akteure.

Diese Fachtagung bietet Denkanstösse für die Weiterentwicklung einer ganzheitlichen Gesundheitsversorgung, vermittelt Know-how für den Umgang mit psychosozialen Belastungen im Behandlungsalltag und bietet Raum für interdisziplinären Austausch sowie Vernetzung – wir heissen Sie ganz herzlich willkommen!

Die Teilnahme an der Fachtagung ist kostenlos. 

Wir freuen uns über Ihre Anmeldung.

Akkreditierung:

Eine Teilnahmebestätigung wird ausgestellt. 

Die Fachtagung kann von der FSP als allgemeine Fortbildung zu 4.00 Fortbildungseinheiten angerechnet werden.

Die Fachtagung ist von der SGAIM mit 4.00 Kernfortbildungscredits AIM akkreditiert.

Aktuell: Die ursprünglich geplante Veranstaltung im Hotel Odelya wurde neu auf eine Online-Veranstaltung umgestellt.

Programm Fachtagung 20. Mai 2021

Programmflyer der Fachtagung

13.15   Login-Phase

13.30   Begrüssung und Einstieg in die Fachtagung

13.40   Grussworte

13.50   Impulsreferate

  • Körper-Psyche-Interaktionen: das biopsychosoziale Modell 
  • Entwicklung und Evaluation eines integrierten
    und gestuften Versorgungsmodells für psychische
    Störungen im Hamburger Netzwerk für
    Versorgungsforschung

15.00   Workshops

  1. Grundversorgung an der Grenze von Soma und Psyche - erkennen, benennen, behandeln
  2. Keine Krankheit ohne Sorgen um den Arbeitsplatz
  3. Selbsthypnose als Aktivierung verborgener
    Ressourcen
  4. Zwüsche Stüehl und Bängg – wie können wir die Maschen des psychosozialen Versorgungsnetzes gemeinsam enger schnüren?
  5. Psychosoziale Versorgung aus der
    Genderperspektive
  6. Psychosoziale Folgen der Coronakrise und
    was wir daraus lernen können
  7. Psychosozial belastete Patientinnen und
    Patienten im Spitalalltag: wie erkennen, was tun?

17.20   Fragen und Antworten: psychosomatische Angebote in Spitälern – und wie                  daraus tragfähige Netzwerke werden

17.20   Fazit und Verabschiedung


Öffentliche Abendveranstaltung im Anschluss (19:00-20:30 Uhr)

Körper-Psyche-Interaktionen: das biopsychosoziale Modell

Seit der Antike beschäftigen sich verschiedenste Wissenschaften mit der Frage, wie Körper und Geist miteinander in Beziehung stehen. Lange herrschte die Auffassung eines Dualismus vor, nach der eine Störung entweder als körperlich oder psychisch verursacht angesehen wurde. Als Beispiel eines dualistischen Krankheitsverständnisses kann die Erkrankung der funktionellen neurologischen Störung (FNS) herangezogen werden. Die FNS, bei der Defizite der Motorik (z.B. Krämpfe) und/oder der Sinneswahrnehmung (z.B. Sehstörungen) vorliegen, wurde lange als rein psychische Störung betrachtet. Zunehmend wird dies jedoch infrage gestellt – denn auch die Forschung weist deutlich darauf hin, dass eine neue differenziertere Sichtweise gefordert ist: Erkrankungen sind durch vielfältige biologische, psychische und soziale, einander gegenseitig beeinflussende Wirkkräfte erklärbar. Das biopsychosoziale Modell ermöglicht ein neues Störungsverständnis – auch für die funktionelle neurologische Störung. Das biopsychosoziale Modell wird im Vortrag vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse der Neurowissenschaften und der Genetik über funktionelle neurologische Störungen diskutiert, wobei die Bedeutsamkeit der Psychosomatik für eine integrierte Gesundheitsversorgung unterstrichen wird.

Selma Aybek, Prof. Dr. med., Leitende Ärztin Neuropsychosomatik, Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital Bern

Entwicklung und Evaluation eines integrierten und gestuften Versorgungsmodells für psychische Störungen im Hamburger Netzwerk für Versorgungsforschung

Ein Drittel der Allgemeinbevölkerung erfüllt die Kriterien für mindestens eine psychische Störung, darunter am häufigsten für Angststörungen, affektive Störungen, Substanzmissbrauch und somatoforme Störungen. Versorgungsbarrieren wie geringe Inanspruchnahme adäquater Hilfsangebote, lange Wartezeit für fachgerechte Behandlung und Schnittstellenprobleme erschweren oft eine leitliniengerechte Behandlung. Integrierte und gestufte Versorgungsmodelle stellen vielversprechende Ansätze zur Verbesserung der Versorgungssituation dar. In der dreijährigen prospektiven, Cluster-randomisierten, kontrollierten Interventionsstudie COMET wurde ein integriertes multiprofessionelles Netzwerk von Behandelnden aus Hausärztinnen und Hausärzten, Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen, Psychiaterinnen und Psychiatern sowie stationären Einrichtungen aufgebaut. Die Partnerinnen und Partner wurden zu Leitlinien geschult, eine Onlineplattform zur Vermittlung von Behandlungsplätzen zur Verfügung gestellt und regelmässige Qualitätszirkel durchgeführt. Diagnostik und Therapie wurden durch ein systematisches und tabletgestütztes Screening, leitliniengerechte Behandlungspfade und ein systematisches Monitoring unterstützt. Im Vortrag werden dieser innovative Ansatz und seine Ergebnisse bezüglich einer verbesserten Versorgung aus Sicht von Patientinnen bzw. Patienten und Behandelnden dargestellt sowie praktische Implikationen für die Implementierung solcher Netzwerke diskutiert.

Martin Härter, Prof. Dr. med. Dr. phil. Dipl.-Psych., Direktor Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

1. Grundversorgung an der Grenze von Soma und Psyche – erkennen, benennen, behandeln

Hausärztinnen und Hausärzte sind täglich gefordert, Beschwerden zu erfassen, Probleme zu benennen und individuelle Behandlungen anzubieten oder zu vermitteln. Wenn sich das im Grenzgebiet zwischen Soma und Psyche abspielt, erfordert dies nicht nur eine genaue Kenntnis der Lebens- und Krankheitsgeschichte, sondern auch ein empathisches behutsames Vorgehen, um das Vertrauensverhältnis zwischen Behandeltem bzw. Behandelter und Behandelnder bzw. Behandelndem aufrechtzuerhalten. Anhand von konkreten Beispielen aus dem hausärztlichen Alltag soll in diesem Workshop möglichst interaktiv ein biopsychosozialer Zugang zu derartigen Fragestellungen erarbeitet werden. 

Klaus Bally, PD Dr. med., Facharzt für Allgemeine Medizin FMH
Universitäres Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel
Alexander Minzer, Dr. med., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH
Präsident Schweizerische Akademie für Psychosomatische und Psychosoziale Medizin SAPPM

2. Keine Krankheit ohne Sorgen um den Arbeitsplatz

Arbeitsplatzsorgen im Krankheitsfall sind für viele Patientinnen und Patienten belastend: Wer erledigt meine Pendenzen? Wie geht es meinem Team? Wie leistungsfähig werde ich wieder sein? Wie erfolgt der Wiedereinstieg? Wie informiere ich meine Vorgesetzten über die Auswirkungen der Krankheit?                              Droht eine Kündigung? – Die möglichen Fragen, welche Patientinnen und Patienten beschäftigen, reichen von Alltagssorgen bis zu realen Existenzängsten und bedürfen einer spezifischen Beachtung.
Inhalte des Workshops sind die Bedeutung der Arbeitsthematik, das Ansprechen des Arbeitsthemas, der Umgang mit der Schweigepflicht, die Information der Arbeitgeberin bzw. des Arbeitgebers und die Zusammenarbeit mit dieser bzw. diesem sowie Arbeitsplatzanpassungen.

Peter Ettlin, Geschäftsführer Stiftung Rheinleben

3. Selbsthypnose als Aktivierung verborgener Ressourcen

Selbsthypnosetechniken bringen nicht nur die wohltuende Wirkung von Entspannung und Erholung. Sie erlauben auch eine Distanznahme zu den Problemen und den dazugehörigen festgefahrenen Mustern im eigenen Denken und Handeln. In die Selbsthypnose fliesst auch immer eine Neugier sich selber gegenüber mit ein («Könnte es auch anders sein?»), wodurch sich Tore für neue Möglichkeiten zur Bewältigung des Alltags öffnen.
Nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die Welt der Selbsthypnose werden in diesem Workshop ganz praktisch einige einfache und sichere Selbsthypnosetechniken in Gruppenübungen vermittelt. Diese eignen sich ebenso gut für die eigene Psychohygiene in helfenden Berufen wie auch für die Weitergabe an Menschen, die an Folgen psychosomatischer Belastungen leiden.

Philip Zindel, Dr. med., Facharzt Psychiatrie/Psychotherapie

4. Zwüsche Stüehl und Bängg – wie können wir die Maschen des psychosozialen Versorgungsnetzes gemeinsam enger schnüren?

Insbesondere psychosozial belastete Patientinnen und Patienten haben einen erschwerten Übergang vom somatischen Spital ins ambulante Setting. In diesem Workshop widmen wir uns genau dieser Herausforderung und sammeln gemeinsam Ideen, wie das «Zwüsche Stüehl und Bängg»-Fallen möglichst verhindert werden kann und wie wir alle die Maschen des Versorgungsnetzes enger schnüren können. Ausserdem wird die Online-Plattform auf der Website des Gesundheitsdepartements mit psychosozialen Angeboten für Betroffene vorgestellt.

Gabriele Bales, APN, Pflegeexpertin Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER
Stefanie Bosman, Dipl.-Psych., Psychologin St. Claraspital
Jennifer Erb, MSc., Psychologin Universitätsspital Basel

Mit Unterstützung von weiteren im Projekt SomPsyNet mitwirkenden Psychologinnen und Psychologen.

5. Psychosoziale Versorgung aus der Genderperspektive

Nicht nur die psychosozialen Belastungen können genderbedingt vielfältig sein, sondern auch die Wahrnehmung derselben und der Umgang damit. Sowohl den Betreuten selbst wie auch den Betreuenden ist dies nicht immer bewusst.
Der interaktiv gestaltete Workshop soll Gelegenheit bieten, praxisorientiert eigene Erfahrungen zu reflektieren, blinde Flecken aufzuspüren und auch Neuland zu entdecken.

Frank Luck, Dr. phil. des., Zentrum Gender Studies, Philosophisch-Historische Fakultät, Universität Basel                                                                                          Sibil Tschudin, Prof. Dr. med., Leitende Ärztin Frauenklinik Universitätsspital Basel

6. Psychosoziale Folgen der Coronakrise und was wir daraus lernen können

Der Workshop beschäftigt sich zum einen mit Interventionen, die zum Ziel haben, psychosoziale Belastungen in der akuten Phase der Coronakrise aufzufangen. Diese können Patientinnen und Patienten, Sterbenden, Angehörigen sowie direkt oder indirekt Covid-19-behandelnden Teams zugutekommen. Je nach Zielgruppe unterscheiden sich diese Interventionen.
Zum anderen begeben sich die Teilnehmenden auf eine kurze gemeinsame Spurensuche und stellen sich den Fragen: «Was haben wir aus der Krise gelernt? Was hat uns Kraft gegeben, was war schwierig?»

Marcel Delahaye, Dr. phil., Psychoonkologe Universitätsspital Basel                          Thomas Reinhardt, Coaching, Beratung, Supervision, «Organisation & Gesundheit»

7. Psychosozial belastete Patientinnen und Patienten im Spitalalltag: wie erkennen, was tun?

Wie erkenne ich psychosoziale Belastungen und wie spreche ich belastete Menschen an? Was kann ich tun, was ist meine Aufgabe? Dies sind Fragen, welche Fachpersonen im Spitalalltag im Umgang mit psychosozial belasteten Menschen beschäftigen. Oft sind Befürchtungen damit verbunden, nicht «richtig» zu reagieren und die Reaktion der Betroffenen nicht auffangen zu können. Diese Fragen und Themen sollen im Workshop im Zentrum stehen. Ausserdem soll am Beispiel des kurzen Screeningtools, des Belastungsthermometers, konkret gezeigt werden, wie psychosoziale Belastung erfasst und besprochen werden kann.

Diana Zwahlen, Dr. phil., Leitende Psychologin Psychosomatik Universitätsspital Basel

Fragen und Antworten: Psychosomatische Angebote in Spitälern – und wie daraus tragfähige Netzwerke werden

Marco Bachmann, Dr. med., Chefarzt Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik Bethesda Spital
Andreas Dörner, Leiter psychoonkologische Therapien St. Claraspital
Rainer Schäfert, Prof. Dr. med., Chefarzt Psychosomatik Universitätsspital Basel
Sibil Tschudin, Prof. Dr. med., Leitende Ärztin Frauenklinik Universitätsspital Basel