Krebsregister beider Basel

Aufgabe eines epidemiologischen Krebsregisters ist die Erfassung aller bösartigen Tumore bei den Einwohnerinnen und Einwohnern einer Region. Das Krebsregister Basel-Stadt und Basel-Landschaft (KRBB) wurde 1969 von der Krebsliga beider Basel gegründet. Seit 1992 wurde es von den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft getragen. Das KRBB war bis Ende 2011 der Pathologie des Universitätsspitals Basel (USB) angegliedert. Mit der Verselbstständigung des Universitätsspitals Basel, musste die organisatorische Einbindung des Krebsregisters neu geregelt werden, weil das USB nicht mehr im direkten Verantwortungsbereich des Gesundheitsdepartements lag.

Seit Januar 2012 ist das KRBB den Medizinischen Diensten Basel-Stadt angegliedert und seit dem 1. Mai 2015 Teil der neu geschaffenen Abteilung Bewilligungen & Support der Medizinische Dienste.

Die eidgenössische Expertenkommission für das Berufsgeheimnis in der medizinischen Forschung, hat dem KRBB die Genehmigung zur Entgegennahme nicht anonymisierter Daten erteilt (Bewilligung vom 20. April 1995, publiziert im Bundesblatt -BBl- 1995 III 311ff.). Die Vergabe der Bewilligung ist an die Person des Leiters des KRBB geknüpft. Bei einem Wechsel des Leiters muss der aktuelle Stelleninhaber seinem/r Nachfolger/-in die Bewilligung ausstellen und durch die eidgenössische Expertenkommission für das Berufsgeheimnis in der medizinischen Forschung bestätigen lassen.


Die Datenverwaltung und -sicherung erfolgt in Zusammenarbeit mit den Pathologielaboratorien, Spitälern, Hausärzten und Fachspezialisten, Radioonkologien, Meldeämtern, den Zentralen Informatikdiensten (ZID) und dem Bundesamt für Statistik (BFS). Die behandelnden Ärzte werden über die Aufnahme neuer Patientinnen und Patienten informiert und unterrichten ihrerseits die Patienten, welche die Aufnahme ihrer Daten in das Register ablehnen können. Im Register werden die Daten anonymisiert und nur in anonymisierter Form bearbeitet, so dass die Identifikation eines Patienten nicht möglich ist.


Die Basisdokumentation wurde gemäss der Vereinbarung mit dem Nationalen Institut für Krebsepidemiologie und Registrierung (NICER) durch die Registrierung von in-situ Karzinomen ab 2007 weiter ausgebaut. Bis 2010 sind Daten von ca. 100‘000 neu diagnostizierten invasiven Tumoren erfasst worden. Die erfassten Daten sind ab 1981 elektronisch verfügbar.


Das KRBB beteiligte sich an den neu aufgelegten europäischen (EUROCARE 3-5), internationalen (International Organisation for Research on Cancer „IARC“: Cancer Incidence in 5 Continents „CI5“; Union for International Cancer Control „UICC“, International Association of Cancer Registries „IACR“, European Network of Cancer Registries „ENCR“) und nationalen Studien „NICER“, Schweizer Kinderkrebsregister „SKKR“ sowie weiteren Forschungsprojekten.


Zur Modernisierung des KRBB soll das bisherige Computerprogramm durch das von zahlreichen Schweizer Krebsregistern benutzte und von NICER empfohlene NICERStat-Programm abgelöst werden , welches vom Krebsregister Fribourg entwickelt und NICER zur Verfügung gestellt wurde. Es verbessert die Kompatibilität zwischen den Registern und NICER und ermöglicht ausserdem eine komplette elektronische Erfassung und Archivierung aller notwendigen Dokumente, so dass die Aktenaufbewahrung in Zukunft entfallen könnte.
 

Auf der Basis der Registerdaten und Todesdaten vom Bundesamt für Statistik (BFS) wurden in Zusammenarbeit mit NICER Statistiken zur Krebsinzidenz und Krebsmortalität im Einzugsbereich des KRBB für die Inzidenzratenperiode von 1982 bis 2009 und Mortalitätsperiode von 1987 bis 2011 erstellt.
 

Zweck des KRBB

Das KRBB ist ein bevölkerungsbasiertes Krebsregister. Mit den bevölkerungsbasierten Daten können Statistiken erstellt werden. Folgende Faktoren werden bewertet: Risikofaktoren, gefährdete Bevölkerungsgruppen, regionale Unterschiede der Krebshäufigkeit und der Erfolg verschiedener Behandlungsmethoden.


Die Bewilligung vom 20. April 1995 publiziert im Bundesblatt -BBl- 1995 III 311ff. hat folgende Zwecke des KRBB definiert:

  1. Kontinuierliche und vollständige Erfassung der neu diagnostizierten und/oder behandelten Tumoren bei Einwohnern der Kantone beider Basel und Erstellung einer Basisstatistik
  2. Analyse der Tumorhäufigkeit in bestimmten Risikogruppen, in verschiedenen Regionen und im Verlauf der Zeit als Teilaspekt der Krebsursachenforschung und im Rahmen von Massnahmen der Vorsorge und Früherkennung
  3. Durchführung von speziellen Studien zu den unter Buchstabe 2. erwähnten Themen unter Benutzung von externen Datenquellen
  4. Auswirkung der Bemühungen zur Krebsbekämpfung auf die Überlebenschancen in der Bevölkerung
  5. Zusammenarbeit mit verwandten Organisationen im Rahmen von klinischen Studien zur Krebsbekämpfung
  6. Unterstützt verschiedene Forschungsprojekte, Dissertationen, Publikationen und Vorträge (unter anderem zu den Themen Behandlung, Früherkennung, Prävention der Krebserkrankung)
  7. Orientierung der Öffentlichkeit über den Stand der Krebsbekämpfung
     

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Infrastruktur des KRBB

Räumlichkeiten

Das Krebsregister Basel-Stadt und Basel-Landschaft wurde 1969 von der Krebsliga beider Basel gegründet und wurde seit 1992 von den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft getragen. Das KRBB war bis zum 11. November 2012 in die Pathologie des Universitätsspitals Basel integriert. Seit dem 12. November 2012 befinden sich die Räumlichkeiten des KRBB beim Bereich Gesundheitsdienste Basel-Stadt (Gerbergasse 13, CH 4001 Basel). Seit dem 1. Mai 2015 ist das KRBB Teil der neu geschaffenen Abteilung „Projekte und Services“ der Gesundheitsdienste.

Primär haben nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des KRBB zu den abschliessbaren Büroräumlichkeiten Zugang. Im Beisein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Reinigungspersonal Zutritt zu den Büroräumlichkeiten. Diese Zutritte werden kontrolliert.


Es herrscht eine „Clear-Desk Policy“: Alle Mitarbeiter legen vertrauliche Unterlagen bei Abwesenheit vom Büro in verschliessbaren Schränken ab. Patientendaten in Papierform (Pathologieberichte, Arztberichte, etc.) werden namentlich abgelegt und in verschliessbaren Aktenschränken aufbewahrt.
 

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Informatik

Das KRBB ist bezüglich Netzwerk im kantonalen Firmennetz der Kanton Basel-Stadt eingebunden. Es betreibt für die Ablage und Bearbeitung der nicht anonymisierten Patientendaten ein eigenes und unabhängiges Informationsnetzwerk. Dieses Informationsnetzwerk ist mit geschützten Server-Bereichen in der Zentralen Informatikdienststellde des Kantons Basel-Stadt (ZID) integriert. Der Zugang zu diesen Informatik-Bereichen ist mit einem Passwort geschützt und jenen Mitarbeitern vorbehalten, die mit der Bearbeitung von Personendaten vertraut sind. Der Zugang wird durch den Leiter des KRBB oder die Leiterin der medizinischen Dokumentation verwaltet. Alle Arbeitsplätze verfügen über Passwortschutz und Benutzeridentifikation.


Die gesammelten Krebsdaten werden in einer speziell für die Krebsregistrierung entwickelten MySQL-basierten Datenbank erfasst. Diese garantiert die Kompatibilität zur Datenübertrag an das NICER. Der Zugang zur Datenbank erfordert eine separate Benutzeridentifikation und ein eigenes Passwort. Zugriffe auf die nicht anonymisierten Patientendaten werden protokolliert.


Die Datenübertragung zum Krebsregister erfolgt per Post oder eigener Faxmaschine, welche sich im Büro des KRBB befindet. Die elektronische Datenübertragung über einen verschlüsselten E-Mail Dienst (HIN Health INFO NET AG) wurde Ende Juni 2014 beendet. Zurzeit sind Abklärungen im Gange, um eine neue Hin-Mail Adresse zu erstellen. Die Infrastruktur der Informatik wird seit Gründung des Registers auf Basis eines Leistungsauftrages durch die Microtech, Bodenmattstr. 4, CH -4153 Reinach unterhalten.
 

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Datenschutz

Im Kanton Basel-Stadt wurde im revidierten Gesundheitsgesetz (2011) lediglich festgehalten, dass der Kanton ein Krebsregister führt. Das KRBB verfügt hingegen über eine generelle Registerbewilligung der Eidgenössischen Expertenkommission für das Berufsgeheimnis in der medizinischen Forschung nach Artikel 321 bis StGB im Jahr 1995. Die eidgenössische Expertenkommission für das Berufsgeheimnis in der medizinischen Forschung hat dem KRBB die Genehmigung zur Entgegennahme nicht anonymisierter Daten erteilt (Bewilligung vom 20. April 1995 publiziert im Bundesblatt -BBl- 1995 III 311ff.). Die Bewilligung ist an die Person des Leiters des KRBB geknüpft und muss bei einem Wechsel der verantwortlichen Leitung des Krebsregisters für die neue Leitung bestätigt werden.
 

Im Juli 2014 hat NICER einen Bewilligungsantrag für multizentrische Forschungsprojekte zur Weiterführung der Aktivitäten der epidemiologischen Krebsregister in der Übergangsphase bis zur Einführung des nationalen Krebsregistrierungsgesetzes an die Ethikkommission in Zürich gesendet. Dieser Antrag soll zukünftig für alle Krebsregister in der Schweiz gelten und die bisherigen Bewilligung vom 20. April 1995 ersetzen.
 

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Aufnahme des Patienten

Für jeden neu registrierten Tumor eines Patienten wird ein Malignom-Fragenbogen (MFB) erstellt. Dieser wird dem behandelnden Arzt oder Hausarzt, zusammen mit dem Datenschutzbrief und einem Rückantwortcouvert zugesendet. Die Zustellung des Datenschutzbriefes ist notwendig, da das Krebsregister nur so den behandelnden Arzt/Hausarzt darüber informieren kann, dass der Patient als Krebspatient registriert werden soll. Der Patient kann die Registrierung seiner Daten verweigern (Vetorecht). Das KRBB selbst hat keinen Patientenkontakt.

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Verpflichtung zur Geheimhaltung

Die Mitarbeiter/innen werden bei Stellenantritt über die geltenden Datenschutzauflagen und -Massnahmen aufgeklärt. Sie bezeugen ihr Einverständnis durch Unterschreiben einer Verpflichtung zur Geheimhaltungserklärung. Im Juli 2014 wurde nochmals überprüft, ob alle Personen mit Zugang zu Krebsregisterdaten die Geheimhaltungserklärung unterzeichnet haben.

Vor Aufnahme der Registrationstätigkeit im Routinebetrieb werden alle Mitarbeiter/innen gründlich im korrekten Umgang mit nicht-anonymisierten Personendaten, in der Datenabstraktion aus medizinischen Berichten und in der systematischen Dateneingabe in die Datenbank geschult (die Ausbildung von neuem Personal benötigt abhängig vom Arbeitspensum mindestens 6 Monate).
 

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Datenweiterleitung

Die von den externen Pathologien zugesandten Berichte enthalten auch Daten von Patienten, welche in anderen Kantonen wohnen. Diese werden vom KRBB an die entsprechenden Krebsregister weitergeleitet. Berichte aus Kantonen ohne ein zuständiges Krebsregister werden vernichtet. Jede/r Mitarbeiter/in hat einen eigenen Vernichter. Die Aufgaben und Kompetenzen bei der Bearbeitung nicht anonymisierter Personendaten werden durch ein Zugriffsreglement klar geregelt.

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Personal

Das KRBB setzt sich personell aus einem Leiter des Krebsregisters, drei medizinischen Doku-mentalistinnen, einer Sachbearbeiterin-Stelle sowie eine Koordinatorin und Leiterin der medizinischen Dokumentation mit Unterstützung für die medizinische Kodierung.

Die Fallregistrierung im Routinebetrieb erfolgt gemäss schriftlich festgelegter Abläufe und den Regeln zur Kodierung unter Supervision durch die Leiterin der medizinischen Dokumentation. Durch regelmässige Fallbesprechungen im Registerteam wird eine einheitliche und regelkonforme registerweite Kodier Praxis sichergestellt. Die Dokumentalisten/innen des KRBB verfügen dadurch über ein fundiertes und breit gefächertes Know-how in der medizinischen Kodierung von Krebsfällen. Für die Verwaltung und Archivierung der medizinischen Originalberichte werden alle 3 Dokumentalistinnen eingesetzt.

Die medizinische Leiter des KR verfügt über Erfahrung im Umgang mit Forschungsdatenbanken, in der Projektleitung von Forschungsprojekten, sowie im Aufbau, der Durchführung und der Auswertung von wissenschaftlichen Studien im Bereich Krebsepidemiologie und Krebsprävention (siehe beigelegte Lebens-läufe). Die medizinische Leitung ist ein aktives Mitglied im Netzwerk von NICER, den anderen kantonalen Krebsregistern in der Schweiz und pflegt gute Kontakte zu den kantonalen onkologischen Leistungserbringern.

Durch die vorhandenen Strukturen verfügt das KRBB über die notwendige Expertise, unter Wahrung strikter Datenschutzauflagen, seinen kantonalen Auftrag und die nationalen Zielsetzungen in der Krebsregistrierung zu erfüllen. 
 

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

 

Name Titel Funktion
Katharina Staehelin Dr. med., MPH. Leiterin
Ivka Avellina   Leiterin Med. Dokumentation
Maria Caterina Cammarota   Medizinische Dokumentalistin
Désirée Lüscher   Medizinische Dokumentalistin
Jose Luis Loureiro Bello   Medizinischer Dokumentalist

 

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