Informationen für Ärztinnen, Ärzte, Spitäler und Laboratorien

Krebserkrankungen sind mit der Einführung des nationalen Krebsregistrierungsgesetzes (KRG) am 1.1.2020 in der Schweiz meldepflichtig. Ärzte und Ärztinnen, Laboratorien, Spitäler und andere private oder öffentliche Institutionen des Gesundheitswesens müssen bestimmte Daten zu Krebserkrankungen an das zuständige Krebsregister melden. Zudem muss der Patient oder die Patientin über die Registrierung seiner oder ihrer Daten informiert werden.

Informationspflicht des Arztes oder der Ärztin

Bei der Diagnosestellung einer meldepflichtigen Krebserkrankung muss der Patient oder die Patientin über die Weiterleitung seiner oder ihrer Daten ans Krebsregister und über sein oder ihr Widerspruchsrecht gegen die Registrierung informiert werden. Diese Information hat mündlich und schriftlich zu erfolgen. Für die schriftliche Information stellt die nationale Krebsregistrierungsstelle eine Broschüre zur Verfügung.

Verantwortlich für die Information ist der Arzt oder die Ärztin, der oder die die Diagnose übermittelt. Die Aufgabe kann auch an eine andere Person delegiert werden. Die Information hat möglichst bald nach der Diagnosestellung zu erfolgen. Das Informationsdatum muss dokumentiert und an das zuständige Krebsregister gemeldet werden. Eine Unterschrift des Patienten oder der Patientin, dass er oder sie informiert wurde, wird nicht benötigt.

Der informierende Arzt oder die Ärztin nimmt keine Widersprüche entgegen. Nach der Information hat der Patient oder die Patientin drei Monate Bedenkzeit, um einen Widerspruch gegen die Registrierung einzureichen. In dieser Zeit werden im Krebsregister keine Daten zum Krebsfall erfasst (Karenzfrist). Auch später kann der Patient oder die Patient jederzeit noch ein Veto einlegen. Falls Daten zum Krebsfall dann schon erfasst sein sollten, werden diese anonymisiert. Ein Veto muss der Patient oder die Patientin schriftlich bei einem Krebsregister einreichen.

nach oben

Welche Krebserkrankungen sind meldepflichtig?

Neben invasiven Krebserkrankungen sind auch alle in-situ-Karzinome und high-grade intraepithelialen Neoplasien, Tumoren mit unsicherem Verhalten und gewisse gutartige Tumoren meldepflichtig. Zu melden sind ausschliesslich Daten zu bestätigten Diagnosen. Verdachtsfälle unterliegen nicht der Meldepflicht.

Folgende Krebsdiagnosen sind bei erwachsenen Personen (≥20 Jahre) meldepflichtig:

ICD-10 Code Bezeichnung
C00 - C97 Bösartige Neubildungen (ausser Basaliome)
D00 - D09 In-situ-Karzinome inkl. high-grade intraepitheliale Neoplasien/schwere Dysplasien (z.B. CIN3)
D37 - D48 Neubildungen unsicheren oder unbekannten Verhaltens (ausser MGUS und monoklonale B-Zell Lymphozytose)
D32 Gutartige Neubildungen der Meningen
D33 Gutartige Neubildungen des Gehirns oder anderer Teile des Zentralnervensystems
D35.2 Gutartige Neubildung der Hypophyse

Bei Kindern und Jugendlichen bis 20 Jahre sind zusätzlich folgende Krebserkrankungen meldepflichtig: ICD-10 Code D61 und D76 (Kinderkrebsregister)

nach oben

Welche Informationen soll die Meldung beinhalten?

Bei jeder meldepflichtigen Krebsdiagnose müssen Informationen zur Diagnose und Erstbehandlung gemeldet werden. Auch Informationen zu später auftretenden Rezidiven und Metastasen sind weiterzuleiten.

Niedergelassene Ärzte und Ärztinnen, Spitäler und Laboratorien melden jeweils die bei ihnen erhobenen Informationen.

Folgende Informationen sind für alle meldepflichtigen Krebserkrankungen bei Erwachsenen meldepflichtig (Basisdaten):

Zum Patienten Name, Vorname, Versichertennummer (AHVN13), Adresse, Wohnort, Geburtsdatum, Geschlecht
Zur Patienteninformation Datum, an welchem der Patient oder die Patientin über die Krebsregistrierung seiner oder ihrer Daten informiert wurde

Zur Diagnose

Untersuchungsanlass (z.B. klinische Symptome, Zufallsbefund), Art und Datum der durchgeführten Untersuchungen (z.B. Labor, Bildgebung, Biopsie), Art und Lokalisation der Krebserkrankung, Typ und Eigenschaften des Tumors, Tumorausbreitung zum Zeitpunkt der Diagnose, Krankheitsstadium, tumorspezifische Prognosefaktoren (z.B. Lymphgefässinvasion)

Zur Erstbehandlung Art der Behandlung, Behandlungsziel, Grundlagen des Behandlungsentscheids (z.B. Tumorboard ja/nein), Datum des Behandlungsbeginns
Zu Rezidiv / Metastasen Diagnosedatum und Lokalisation von Rezidiven oder Metastasen
Zur meldepflichtigen Person Name, Vorname, Institution, Telefonnummer, Adresse, E-Mail

Bei Brust-, Prostata- und Darmkrebs sind neben obengenannten Daten auch Informationen zu Prädispositionen für die Krebserkrankung und Begleiterkrankungen zu melden.

Folgende zusätzliche Informationen sind für Brust- (C50), Prostata- (C61) und Darmkrebs (C18-20) meldepflichtig (Zusatzdaten):

Zu Prädispositionen z.B. familiäre Vorbelastung, Mutationen, Syndrome
Zu Komorbiditäten z.B. Diabetes, Herz-, Leber-, Nierenerkrankungen

Bei Kindern und Jugendlichen sind noch weitere Informationen meldepflichtig (Kinderkrebsregister).

nach oben

Wie und an wen muss gemeldet werden?

Bei erwachsenen Patientinnen und Patienten ist die Meldung an das Krebsregister des Kantons zu richten, in welchem die betreffende Person zum Zeitpunkt der Diagnose wohnt. Bei in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft wohnhaften Personen ist dies das Krebsregister beider Basel.

Bei Patientinnen und Patienten, die jünger als 20 Jahre sind (bis 19.99 Jahre) ist die Meldung an das Kinderkrebsregister zu richten, unabhängig vom Wohnort der Patientin oder des Patienten.

Die Daten sind in Papierform oder elektronisch innerhalb von vier Wochen nach deren Erhebung dem zuständigen Krebsregister zu melden. Die Übermittlung hat geschützt zu erfolgen (z.B. mittels Hin-Mail). Die Hin-Mail Adresse des Krebsregisters beider Basel lautet: krbb@hin.ch

Die Verantwortung für die korrekte und fristgerechte Meldung trägt der selbständige Arzt/die Ärztin oder die Leitung der betreffenden Institution. Bei der Meldepflicht gemäss Krebsregistrierungsgesetz handelt es sich um eine Berufspflicht im Sinne von Art. 40 des Medizinalberufegesetzes (MedBG).

Die einzige Ausnahme von der Meldepflicht besteht darin, wenn der Patient oder die Patientin dem Arzt die Bestätigung des Krebsregister zu seinem oder ihrem Widerspruch vorlegt.

nach oben